Das Jahr hat angefangen, wie mittlerweile jedes Jahr irgendwann anfängt: Mit einer dunklen Nacht, in der ich eine ganze Weile in der Stille sitze. In diesem Jahr war da nicht viel mehr, was ich gebraucht hätte, um das Jahr gut abzuschließen. Nur das: Dasitzen, in die Kerze schauen, ein bisschen dankbar sein, aber auch das nicht allzu ausgiebig. Und dann gegen 21 Uhr die Kerze auspusten und schlafen gehen. Es ist schließlich Winter.
Nachdem ich seit dem vergangenen Jahr auf einer ernsthafteren Basis Gärtnerin geworden bin, brauche ich den auch dringend. Ich genieße es sehr, morgens (so gut es mit Schulkind eben geht) langsam zu tun und mich auch ansonsten nicht zu verausgaben. Kraft tanken ist die Devise, denn die Gartensaison geht früher los, als man so wahrhaben will. Es war doch erst Weihnachten. Aber wenn der Frühling erst mal rollt, dann Gnade dem, der im Winter nicht genug geschlafen hat.
Da sitze ich nun in meinem zu kalten, provisorischen Büro und weiß nicht, was ich schreiben soll. Ein Blog dient ja dazu, beschrieben zu werden, damit wiederum andere Menschen ein wenig teilhaben können an der Welt der Schreibenden. In den vergangenen Jahren war es für mich unverzichtbar und wichtiges Werkzeug, mir so manches von der Seele zu schreiben und zu wissen, dass es ein paar Menschen lesen werden. Aber der innere Wandel, der sich in mir vollzogen hat, ist gewaltig und jetzt stelle ich fest: Ich fühle mich gerade nicht so, als hätte ich viel zu sagen.
Klar, ich freue mich nach wie vor sehr, wenn Menschen Interesse haben an meinen Gedanken und meiner Perspektive und bin offen für Fragen, weil sich daraus meist spannende und tiefgründige Gespräche ergeben. Aber aus mir selbst heraus verspüre ich keinen Impuls, mich groß zu äußern. Das ist neu. Die letzten Jahre waren sehr geprägt von zum Einen dichten und intensiven inneren Prozessen, die zu verarbeiten waren, was mir über Worte ganz gut gelingt. Zum Anderen war der Einfluss von Social Media und der Online-Spiri-Coaching-Bubble (und ihren seltsamen Auswüchsen) nicht zu leugnen. Das Online-Marketing-Spiel habe ich eine ganze Weile lang mitgespielt und viel dabei gelernt.
Wenn es um Online-Marketing über die sozialen Medien geht, dann ist Dauerpräsenz ein Muss, es braucht Content über Content und den muss ja jemand schreiben (wenn man es sich nicht von anderen Intelligenzen abnehmen lassen will). Ich also im Dauer-Output-Modus. Boy, es war gut, das mal durchzuziehen, aber auch so, so anstrengend. Aus dieser Online-Zeit gibt es einige Dinge, die ich wieder über Bord geworfen habe und die mir im Nachhinein leicht peinlich bis wirklich unangenehm sind, weil sie nicht zu meinen Werten passen und dazu, wie ich in der Welt sein möchte. Fazit: Ich bin offline besser aufgehoben. Ich will echte Begegnungen, mit anderen Körpern. Augen, in die man schauen, Hände, die man fassen, Lachen, das man hören kann. Da wird’s lebendig, menschlich, eckig, widersprüchlich, wunderschön. Mehr brauche ich nicht.
Ach, überhaupt so viel habe ich über Bord geworfen in den vergangenen 3 Jahren. Ich könnte darüber ein Buch schreiben – wollte ich schreiben, haha. Aber meistens sehe ich aktuell keinen Grund, den eigenen Senf auch noch dazu zu geben, wenn die halbe Welt schon wüst herumschreit. Klar: Ich mag meine Texte und die Energiequalitäten, aus denen sie entstanden sind. Nach wie vor schwappen manchmal ein paar Zeilen vorbei, oder auch nur eine schöne Formulierung und das sind solche Geschenke für mich! Einen Moment lang angebunden zu sein an diesen unerschöpflichen Fluss der Kreativität/Lebensenergie/Sinnlichkeit/Ewigen Erotik und gar nicht anders zu können, als es niederzuschreiben. Aber wie gesagt, das kommt nur so hin und wieder über mich. Das Aufschreiben meine ich, also der Drang, es auszudrücken, was ich erlebe. Erleben tu ich solche sinnlichen, kreativen, verbundenen Momente nach wie vor die ganze Zeit. Es ist ein Fest, aber teilen will ich es gerade nur mit sehr ausgewählten Personen in meinem Leben.
Nicht, dass es mit den öffentlichen Worten nun vorbei wäre. Ich würde sie in Zukunft aber gerne weniger für mich selbst und mehr für andere einsetzen. Weniger (sehr viel weniger!) zur Selbstvermarktung, mehr für wirklich tragende und nährende Räume. Auf welche Weise, ahne ich schon, aber das ist ein zartes Pflänzchen…
Nach außen hin verlege ich mich momentan lieber aufs Tun. Ich hab mir Holz, Stoff und Schafwolle besorgt und einen Plan, habe Kaffee gekocht und eine Weile nachgedacht und dann damit losgelegt, mir eine Jurte zu bauen. Oh! So viele Geschichten, die ich jetzt erzählen könnte, warum und wie das damals anfing und wofür bloß… Ich erzähle die Story ganz kurz: Eines Morgens im Sommer 2025, ich hatte eine Woche zuvor mein Bett in den Garten getragen, da machte ich die Augen auf und das erste, was ich sah, war mein buntes Blütenmeer von Staudengarten. Noch bevor ich etwas dachte, wusste ich: Jurte. Jetzt.
Gesagt, getan. Die Wände (also die Scherengitter) sind schon fertig. Ich habe so viel tolle Unterstützung! Beim Werkeln, beim Denken, beim Pause machen. Manchmal bringen liebe Leute mir auch einfach Kekse oder Suppe vorbei oder stellen sich auf einen Schnack mit dazu, während ich hunderte von Knoten mache. Es macht einen ruhigen, konzentrierten Spaß. Ich finde meine Werkstatt-Playlist sehr sexy. Manchmal ist es draußen wärmer als in der ungeheizten Werkstatt, dann nehme ich die Baustelle mit nach draußen in die Sonne. Wenn es Minusgrade hat, stecke ich mir eine Wärmflasche in die Jacke. Es ist ein schönes Leben.
Und vielleicht zum ersten Mal habe ich nicht das Bedürfnis, dieses schöne Leben in die Welt hinaus zu posaunen. Ich stelle fest: Darüber öffentlich zu schreiben fügt meinem Erleben nicht mehr Freude hinzu, als ich ohnehin empfinde. In dieser heiteren Zurückgezogenheit bezeuge ich, wie hier die Heilung einer tiefen, alten Wunde ihre Blüte öffnet und einen neuen, unbekannten Duft verströmt. Ich schnuppere ein bisschen und gehe dann vergnügt weiter. Selbst das muss nicht spektakulärer dargestellt werden, als es sich anfühlt. Es reicht, dass ich mich selbst sehe. Wie gut, dass das endlich reicht.
Das ist es also, was ich so tue im Januar. Natürlich denke ich immer noch irrsinnig viel. Aber ich tanze auch mehr, das ist ein guter Ausgleich. Natürlich habe ich wie immer tiefe Fragen, die mich umtreiben, aber so sehr viele dann auch wieder nicht. Wenn’s mir zu viel wird, gehe ich in meine Werkstatt oder mache sonst was Sinnvolles. Es hilft übrigens ungemein, bei zu vielen Fragen im Kopf die eigenen Hände zu benutzen.
Womit für diesen Moment fast alles gesagt wäre. Außer eins – ich weiß nicht so recht, wie ich mit diesem Blog hier umgehen soll. Aus der Haut, in der ich die älteren Texte geschrieben habe, bin ich vollends herausgewachsen. Gleichzeitig sind vor allem die poetischen Texte ja zeitlos, weil sie von Ebenen jenseits des Persönlichen stammen. Lasse ich die alten Artikel jetzt stehen? So als biografische Dauerausstellung? Oder kann es weg, einfach weil es mich nicht mehr in allen Punkten adäquat wiederspiegelt? Und wofür könnte das wichtig sein? Mein Persönliches hat sich stark verändert; die Essenz meiner Erkenntnisse bleibt dieselbe und berührt mich selbst immer wieder in neuen Schichten. Wohin mit dem Gelebten – in einen Rahmen an die Wand? In den Großen Fluss? Auf den Kompost? In ein Buch? Mit dieser interessanten Fragestellung im Herzen gehe ich mal weiter staunend durch die Landschaft meines wundersamen Lebens.
Bis klar ist, wie es weiter geht und wozu dieser Blog vielleicht dienen kann, bleibt alles, wie es ist.
Ich werde wohl trotzdem eher über den Newsletter kommunizieren als hierüber – mal sehen, wie viel Zeit so bleibt! Mit all den Blumen und all der Musik, die dieses Jahr auf mich zukommen, habe ich mir schon ziemlich viel vorgenommen.
Das Newsletterformular funktioniert übrigens wieder, es war eine Weile lang nicht klickbar. Ich hatte erfahren, dass einige erfolglos versucht hatten, sich anzumelden. Falls du zu diesen Menschen gehörst – herzlich willkommen, hier kannst du es nochmal versuchen!
Falls nicht, du aber trotzdem auf dem Laufenden bleiben willst, auch. Ich verschicke in sehr unregelmäßigen Abständen die aktuellen Termine für Konzerte, den Hinweis auf neue Blogartikel und anderes, falls mir etwas Sagenwertes einfällt. Wie gesagt, ist das gerade nicht sehr viel – außer, es richtet jemand eine spannende Frage an mich, dann rede und schreibe ich gerne wie ein Wasserfall. 😀
Warme Grüße und einen ebenso warmen Rückenwind in diesem Jahr,
