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Liebster Mann! Ein Liebesbrief.

Letztens habe ich einen kurzen Text gelesen, in dem es um die Wunden ging, die die Frauen den Männern zugefügt haben. Der Autor wollte zum Frieden zwischen den Geschlechtern aufrufen, dennoch klang es eher wie eine Streitschrift – ähnlich denen, die seit hundert Jahren in besonders wütenden feministischen Kreisen zu finden waren/sind. Die Anklage, die zwischen den Zeilen mitschwang, verärgerte mich. Ich spürte, wie ich mich verschloss, um diese Wut eines Mannes gegenüber den Frauen (= mir) nicht abkriegen zu müssen.

Ein paar Tage beschäftigte mich das. Vor allem aber war ich betroffen. So viel die Wutkraft der Frauen in ihren vielfältigen Emanzipationsbestrebungen nicht nur gewonnen und erobert hat – in der direkten Beziehung zu den Männern hat sie auch ganz schön viel kaputt gemacht. Die Frage, ob es vielleicht grundsätzlich Gewalt braucht, um unterdrückerische Strukturen aufzubrechen, kann ich nicht beantworten. Ich bin dankbar, diesen Artikel schreiben zu können, ohne Angst haben zu müssen, dafür mindestens verprügelt zu werden.

Durch den Text des Autors habe ich erkannt, wie weh ich mir selbst damit tue, wenn ich einem Mann Vorwürfe mache. Wie schmerzhaft es ist, uns gegenseitig unsere Vergehen aneinander aufzuzeigen, anklagend die Zeigefinger zu erheben oder uns schroff voneinander abzuwenden.

Ich will das nicht mehr.
Ich kann nicht sehen, was wir dabei gewinnen – außer weiteren Verletzungen in ohnehin schon offenen Wunden.

„Was also will ich dann?“, habe ich mich gefragt und mein ganzer Körper war die Antwort.
Diese Antwort in adäquate Worte zu fassen war eine Herausforderung, die ich mit einer ordentlichen Portion Leidenschaft angenommen habe. Heraus kam ein Liebesbrief:

Liebster Mann!

Würde ich diesen Brief auf Papier schreiben, säße ich bereits seit Stunden in einem Haufen zusammengeknüllter Entwürfe, weil meine Liebe zu dir so groß ist, dass selbst mir die Worte fehlen. Ich versuche es dennoch, weil das Schreiben meine vertrauteste Brücke zur Welt ist und ich hoffe, damit auch dein Herz zu erreichen.

Ach, wie sehr sehne ich mich nach deinem Herzen. Gibt es etwas Großartigeres auf der Welt als das Herz eines Mannes? Ich kann es in deiner Brust leuchten sehen in seiner ganzen unschuldigen Unversehrtheit. Wenn ich erlebe, wie deine Liebe durch deine Schritte und Taten in die Welt strahlt, dann weiß ich mit Gewissheit, dass alles gut werden wird. In keinem anderen Moment fühle ich mich so sicher und so geborgen, als wenn ich dein Herz fühlen kann. Dann vertraue ich dir rückhaltlos und was DAS in mir auslöst, kann ich kaum in Worte fassen.

Dein Herz zu spüren, macht mich frei.

Deine Liebe befreit mich von allen Zweifeln, die ich in Bezug auf mich und meinen kreativen Ausdruck hege. Sie heilt alle meine Wunden und fordert mich nachdrücklich auf, mich der Welt bedingungslos zu zeigen in der blühendsten Version meiner selbst. Deine Liebe nimmt mir alle Angst vor kritischen Reaktionen, sie macht mich mutig jenseits all meiner Grenzen und lässt nicht eher nach als bis ich mich selbst so sehr liebe, wie du es tust. Die Grenzenlosigkeit dessen, was deine Liebe möglich macht, lässt mich ehrfürchtig verstummen und alles, was ich denken kann ist: „Wunder. Du bist ein Wunder.“

Wenn ich mit dir verbunden bin, sehe ich oft deinen tiefen Schmerz. So viele tausende Verletzungen hast du erlitten – auch durch mich. Immer wenn ich das begreife, muss ich weinen. Ich kann so sehr fühlen, warum du dich schützt vor weiteren Wunden. Warum du dich schützen willst vor mir. Manchmal habe ich das Gefühl, ich weine deine Tränen mit, trauere für uns beide um all das Grauenvolle, das wir uns, unwissend wie Kinder, gegenseitig angetan haben.

Kaum etwas wünsche ich mir für uns beide mehr, als dass wir uns wieder ohne Angst in die Augen sehen können. Nicht mehr zurück scheuen vor der Berührung des Anderen. Ich wünsche mir, dass wir uns wieder von ganzem Herzen aufeinander freuen, anstatt zynisch mit den Schultern zu zucken und zu sagen „So sind die Frauen/Männer halt.“
Deshalb schreibe ich diesen Brief, denn für meine Begriffe habe ich genug verstanden. Es interessiert mich nicht länger, zu argumentieren und unsere Geschichte zu analysieren. Es mag für den kollektiven Prozess wichtig sein, das noch an der einen oder anderen Stelle zu tun, aber ich überlasse es jetzt anderen.

Ich will dich stattdessen einfach lieben. Es besser machen als früher. Ich will vertrauen, dass keine Wunde der Welt es wird verhindern können, dass meine Liebe dein Herz erreicht. Ich gebe zu, dass ich nicht genau weiß, wie ich das anstellen soll. Viel habe ich schon ausprobiert – und manchmal ist und bleibt dein Herz verschlossen und ich muss ohne deine Liebe leben. Daran leide ich und denke dann, dass dir vielleicht gar nicht bewusst ist, wie viel Paradies für uns beide in deiner Liebe und deinem offenen Herzen steckt.

Aber so weh es auch tut: Ich habe keine Lust mehr, dir deshalb Vorwürfe zu machen. Kann ich lernen, dich einfach zu lieben, so wie du gerade bist? Im Vertrauen, dass meine Liebe sich auf ihre weiche, sanfte Art ihren Weg zu dir schon bahnen wird können? Ich will es versuchen, mit allem, was ich aufbringen kann.

Denn Oh! Wie sehr sehne ich mich nach dir! Manchmal kann ich es nicht glauben, wie unfassbar gut du darin bist, mich tiefer in das Mysterium meines Körpers und das Wunder des Lebens zu führen, als ich es allein vermag. Das macht mich zur glücklichsten Frau der Welt. Ich liebe die Momente, in denen du ein klitzekleines Stückchen mehr weißt als ich. In denen du mich herausforderst, mich einen Millimeter weiter auszudehnen – hinein in Gefilde unserer menschlichen Existenz, die ich noch nicht erlebt habe.

Weißt du, wie sehr ich deinen Körper begehre? Ich kann mich nicht satt sehen an der Mischung aus Stärke und Zärtlichkeit, die du verkörperst. Ich will dich immer wieder haben, ich muss dich haben in deiner wilden, innigen Ganzheit. Denn nur in deinen Armen kann ich mich so vollständig fallen lassen und kann ich den Himmel auch mit meinem Körper erreichen. Meine Schönheit kann ich nirgends so gut erkennen wie durch deine Augen, durch deine Liebesworte, durch deine Berührungen. Du machst mich zu der Frau, von der ich nicht wusste, dass ich sie sein kann.

Ich weiß, dass ich dich mit dieser Sehnsucht herausfordere, auch deine Grenzen immer weiter auszudehnen. Dein eigenes Leben mehr und mehr zu erobern und deine Werte wahrhaftig in Besitz zu nehmen. Ich weiß, dass es eine tägliche Herausforderung ist, den schier endlosen Anforderungen des Weiblichen gerecht zu werden und dass es dich manchmal müde macht, weil du denkst, dass du nie genug bist. (Manchmal verunsichert mich das, weil ich dann denke, dass ich zu viel bin und ich will ja niemanden belasten. Dann ziehe ich mich zurück, aber das macht es nur schlimmer, weshalb ich versuchen will, es nicht mehr zu tun).

An manchen Tagen sehe ich dich an und erkenne den König in dir und dann weiß ich genau, wonach ich mich sehne. Diesen König in dir will ich haben, auf allen Ebenen. Mit nichts weniger kann ich mich zufrieden geben, denn ich spüre, wie dringend nicht nur ich deine Liebe brauche, sondern wie sehr die ganze Welt danach dürstet.

Ich kann gar nicht sagen, wie stolz ich auf dich bin, wenn ich deinen Mut sehe. Wenn ich spüre, wie du einen Ringkampf nach dem anderen mit dir selbst gewinnst. Wenn du dich von deinen eigenen Selbstzweifeln nicht ins Bockshorn jagen lässt. Wieder und wieder stehst du nach einem Scheitern auf, um kompromisslos und zutiefst ehrlich der Wahrheit deines liebenden Herzens zu folgen. Du holst dir, was dir zusteht, weil du deinem Instinkt folgst. Dich immer wieder so zu erleben, verschlägt mir die Sprache und dann liebe und begehre ich dich wie sonst nichts auf der Welt.

Ich ahne, dass wir noch ein ordentliches Stück des Weges vor uns haben, bis wir das in Leichtigkeit so leben können. Aber sind wir nicht jetzt schon ein wunderbares Paar? Schau:

Meine Sehnsucht zeigt uns die Richtung.
Deine Liebe weiß, was zu tun ist.
Es ist alles bereits da.

Manchmal schreit und weint mein ganzes Sein vor Sehnsucht nach dir und ich halte es kaum aus.
Manchmal habe ich Angst, dass unser Krieg nie aufhören wird.
An Tagen wie heute schmunzele ich genüsslich, weil ich uns in unserer wildesten, zärtlichsten, freiesten und verbundensten Form bereits schmecken kann.

Ich warte auf dich.

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