Was Fotografie kann (und was nicht)

  • von

Mein Erlebnis mit den Spiegel-Kräften eines Foto-Shootings.

Im Zuge der Vorbereitung meiner Selbständigkeit habe ich schon vor vielen Monaten Texte für die zukünftige Website geschrieben, sie wieder verworfen und neu geschrieben. Ich verwendete viel Zeit, ein passendes Bild von mir zu zeichnen, und wie ich mir mein Wirken als Spirituelle Geburtsbegleiterin/Seelen-Hebamme/… (was bin ich eigentlich?) vorstellte. Suchte nach den richtigen Worten, um dieses Bild zu vermitteln. Schließlich fand ich die Texte fürs Erste gut gelungen und widmete mich anderen Bereichen meiner Gründung.

Einige Zeit später buchte ich für die Website-Bilder ein Portrait-Foto-Shooting, das versprach, besonders die Seelenqualitäten einzufangen. Perfekt, dachte ich, das ist mal ganzheitliches Unternehmerinnentum – eine Seelenfotografin für‘s Seelenbusiness! Für das Shooting fuhr ich dann nach Freiburg. Ich hatte gerade meine Tage bekommen (schlechtes Timing, dachte ich, aber es war nun mal bezahlt und ausgemacht) und war so gar nicht in Stimmung, irgendwas von mir zu zeigen – außer meinen Stachelpanzer vielleicht. Das Shooting an sich war dann okay. Jutta gab sich alle Mühe, mich dort abzuholen, wo ich war. Ich gab mir alle Mühe, mich einzulassen und für kurze Momente hatte ich auch Spaß an der Sache. Fünf Minuten, bevor die Zeit um war, merkten wir dann beide, dass ich erst jetzt so richtig angekommen und entspannt war…
Schade. Ich fuhr nach Hause.

Insgeheim ärgerte ich mich über mich selbst, so viel Geld für ein unerfreuliches Erlebnis ausgegeben zu haben. Hatte ich zu hohe Erwartungen gehabt? Immer wieder tauchte der Satz von Jutta auf, den sie mir als Vorbereitung mitgegeben hatte: „Es wird dein perfektes Shooting.“
Hm. Was war daran jetzt perfekt gewesen? Übersehe ich da was?

Egal, nun war es so. Ich fuhr nach Hause und vergaß es erst mal. Als Jutta mir die Fotos schickte, konnte ich auf fast jedem sehen, wie sehr ich keine Lust gehabt hatte. Ein paar gefielen mir aber, also wurde das abgewickelt und ich machte mich daran, die Bilder zu meinen Texten hinzuzufügen. Und ärgerte mich ein weiteres Mal, denn die Bilder passten überhaupt nicht zum Text! Wie ich sie auch anordnete, es fügte sich nichts zusammen.
Entmutigt ließ ich die Sache fürs Erste los. An welchem Punkt hatte ich eine falsche Entscheidung getroffen? Ich konnte es nicht nachvollziehen. Warum passiert mir so etwas, die ich doch so gut darin bin, integre Entscheidungen zu treffen?!

Wieder einige Zeit später hatte ich ein inspirierendes Gespräch mit einer Kollegin. Der Austausch beflügelte mich derart, dass ich den heftigen Drang zu schreiben verspürte – und schrieb die Website-Texte noch einmal komplett neu. Es floss nur so aus mir heraus. Ich erkannte schon, dass sich die Texte sehr von den anderen unterschieden, die ich vorher verfasst hatte, aber was wirklich geschehen war, verstand ich erst, als ich, zunächst wiederwillig, meine neuen Fotos hinzufügte. Die Überraschung war perfekt: Bilder und Text passten zusammen wie füreinander gemacht! Sie fügten sich nahtlos ineinander und unterstützten sich gegenseitig in ihrer Aussage. Wie war das möglich?

Da begriff ich: Die alten Texte spiegelten ein Bild wieder, das ich mir (völlig ins Blaue hinein) von mir selbst und meinem Wirken in der Welt gemacht hatte. Die Bilder hingegen zeigen mich genau so, wie ich gerade bin. Ein erstaunlicher Moment der Selbsterkenntnis war das, wie ich meine Fotos plötzlich mit anderen Augen betrachtete. Das bin also ich? Aha… Offenbar wusste ich das bisher nicht.

Je länger ich die Fotos mit der neuen Perspektive betrachte, desto besser kann ich den großen Unterschied zwischen einer Vorstellung und der Realität in Bezug auf mich selbst wahrnehmen. Und so wandelte sich das Foto-Shooting letztlich von einer Naja-Erfahrung zu einem kostbaren Schritt auf dem Weg zu mir selbst.

Zum Wissen gesellt sich nun auch die Erfahrung: Ich kann mich erst dann wirklich authentisch zeigen, wenn ich mich selbst als die erkannt habe, die ich im Moment bin – und wenn ich aus voller Seele JA zu mir sagen kann. Diese Fotos helfen fantastisch dabei!

Fotografie kann also tatsächlich ein Mittel sein, zu erkennen, was echt ist. Ich habe sie wohl unterschätzt. Und manchmal zeigt sich eben erst viel später, welches Geschenk in einer Erfahrung verborgen war…

Meine Portrait-Fotos hat übrigens Jutta von https://seelenstrahlen.com/ treffsicher geschossen. Von Herzen danke dafür!

(Copyright) Sabeth Fladt, 2021 – Bild: Jutta Panke/https://seelenstrahlen.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.